Gummibärchen im OP und Höhenflüge im Rollstuhl: TalentTour begeistert Jugendliche
Mit OP-Instrumenten Gummibärchen aus einem künstlichen Bauch fischen, Blutdruck messen und im Rollstuhl durch die Luft schaukeln: Bei der ersten TalentTour in Wetter konnten Jugendliche selbst aktiv werden. Die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV) öffnete ihre Türen und zeigte, wie spannend und vielfältig die Arbeit in Pflege und Betreuung ist.
Rund 160 Schüler*innen der Schule am See und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums nahmen an der TalentTour teil. Die vom Stadtmarketing für Wetter e. V. organisierte Aktion führte die Jugendlichen in kleinen Gruppen zu jeweils drei Unternehmen. Statt grauer Theorie standen persönliche Begegnungen, praktische Erfahrungen und spannende Einblicke in den Berufsalltag auf dem Programm.
Mit OP-Instrumenten auf Gummibärchen-Jagd
Wie fühlt es sich an, im Operationssaal zu arbeiten? Das konnten die Jugendlichen in der Orthopädischen Klinik Volmarstein ausprobieren. Lara Marie Schmidt, die eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin (OTA) macht, gab Einblicke in ihren spannenden Berufsalltag. Zunächst hieß es: Haube und Mundschutz aufsetzen und sterile Handschuhe fachgerecht anziehen. Dann war Fingerspitzengefühl gefragt. Mit echten OP-Instrumenten mussten die Schüler*innen Gummibärchen aus einem künstlichen „Bauch“ bergen. Eine ungewöhnliche Aufgabe, die spielerisch zeigte, wie viel Geschick und Präzision im OP gefragt sind.
Auch die Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann lernten die Jugendlichen in der Klinik kennen. Die Bildungsakademie Volmarstein (BAVO) informierte über den Beruf und die Ausbildungsmöglichkeiten.
Im Liselotte-Funcke-Haus stand dagegen die stationäre Langzeitpflege im Mittelpunkt. Hier erfuhren die jungen Erwachsenen, wie Pflegefachkräfte ältere Menschen im Alltag begleiten. Bei drei Bewohnerinnen durften sie sogar selbst Blutdruck messen.
Dabei wurde deutlich: Pflege erfordert nicht nur pflegerisches Wissen und fachliches Können. Ebenso wichtig sind Einfühlungsvermögen, Geduld und die Fähigkeit, Menschen zuzuhören, ihnen Sicherheit zu geben und sie im Alltag zu begleiten.
Im Hochseilgarten wird Teilhabe erlebbar
Wie vielfältig die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist, erfuhren die Jugendlichen beim Besuch einer Wohngruppe. Dort lernten sie die Aufgaben von Erzieher*innen und Heilerziehungspflegefachkräften kennen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen mit Behinderung möglichst selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Ein besonderes Erlebnis wartete im Hochseilgarten der Stiftung. Dort nahm eine Schülerin in einem Rollstuhl Platz. Gemeinsam zogen ihre Mitschüler*innen sie mithilfe von Seilen in die Höhe und brachten den Rollstuhl zum Schaukeln. „Ein krasses Gefühl“, berichtete Ida Oppenhäuser begeistert. „Wie toll, dass es solche Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung gibt.“
Daniel Starosta, Freizeitpädagoge der Stiftung, erklärte, wie besonders dieses Erlebnis für Menschen sein kann, die einen Rollstuhl nutzen. Das Schaukeln in luftiger Höhe vermittelt ein außergewöhnliches Gefühl von Freiheit. Doch Teilhabe beginnt nicht erst im Hochseilgarten. Auch im Alltag der Wohngruppen geht es darum, gemeinsam Freizeit zu gestalten, persönliche Interessen aufzugreifen und Begegnungen zu ermöglichen.
Ausprobieren hilft bei der Berufswahl
Mit der TalentTour möchte die Evangelische Stiftung Volmarstein jungen Menschen zeigen, welche beruflichen Perspektiven die Pflege und die Arbeit mit Menschen mit Behinderung bieten. Wer sich für einen sozialen Beruf interessiert, kann bei einem Praktikum noch tiefer eintauchen.
„Machen Sie ein Praktikum in einer unserer Einrichtungen“, empfiehlt Dennis Bührmann von der Bildungsakademie Volmarstein. „Das vermittelt Ihnen einen realistischen Eindruck vom Arbeitsalltag und hilft Ihnen enorm bei der Entscheidung für den passenden Beruf.“
Dass die TalentTour bei den Jugendlichen ankam, zeigte sich auch in ihren Rückmeldungen. „Die TalentTour ist sehr informativ. Ich interessiere mich für einen sozialen Beruf und darüber erfahre ich hier viel“, sagte die 17-jährige Gina Shaheen.
Auch Liya Hösterey (16) nahm viele Eindrücke mit: „Ich fand die Langzeitpflege spannend. Wir durften bei drei Bewohnerinnen auch Blutdruck messen. Ich interessiere mich für einen medizinischen Beruf. Hier bekommen wir gute Einblicke und lernen verschiedene Bereiche kennen.“