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Nach 43 Jahren bei WerkVol: Roland Diderichs geht in den Ruhestand

„Ich hatte 43 Jahre einen tollen Job hier“, sagt Roland Diderichs. Als Zivildienstleistender startete er in der Oberlinschule. Danach war er über vier Jahrzehnte als Erzieher bei WerkVol tätig. In der Einrichtung für Teilhabe an Arbeit kann man sich kaum vorstellen, dass es ohne Roland geht. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzen ihn ebenso wie die Beschäftigten, die er oft über viele Jahre bei der täglichen Arbeit unterstützte. 

Güldane Baars ist Beschäftigte und Frauenbeauftragte bei WerkVol. „Roland ist für mich ein ganz wichtiger Mensch“, sagt die 30-Jährige. Sie erhielt bei der täglichen Arbeit nicht nur die nötige Unterstützung von Roland Diderichs, sondern auch viel Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe.  Daher war es ihr auch wichtig, Roland zum Abschied persönlich zu interviewen:

 

  • Roland, du bist seit 43 Jahren in der Werkstatt. Warum hast du damals hier angefangen? 
    Nach meiner Zeit als Zivi war hier eine Erzieher-Stelle frei. Die Arbeit hier ist vielfältig: einerseits soziale Arbeit und gleichzeitig Handwerk.
  • Weißt du noch, wie dein erster Arbeitstag war? Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben? 
    Der erste Arbeitstag war gut. Ich kannte ja schon einige Leute aus meiner Zeit als Zivi.
  • Warum bist du so lange geblieben? 
    Ich hab‘ mich 43 Jahre lang in der Ev. Stiftung Volmarstein wohl gefühlt. Ich hatte nicht eine schlaflose Nacht wegen der Arbeit. Und ich konnte hier sehr selbstständig arbeiten. Das war mir immer wichtig.
  • Du hast viele Jahre mit Menschen mit Behinderung gearbeitet. Was war dir dabei besonders wichtig?
    Ich habe immer den Menschen gesehen und nicht die Behinderung. Die war Nebensache im täglichen Miteinander.
  • Was hast du am liebsten gemacht: Aufträge? Augentropfen, Popos putzen?
    Eindeutig Aufträge oder Augentropfen… (lachend)
  • Gab es Momente, die dich besonders berührt haben?
    Viele Beschäftigte, mit denen ich gearbeitet habe, und die ich sehr lange kannte, sind gestorben. Das hat mich immer sehr traurig gemacht und mich berührt.
  • Gab es Menschen, die du besonders vermisst, die früher hier gearbeitet haben?
    Oh ja – ganz viele. Nur ein Beispiel ist die Familie Burghard. Der Sohn arbeitet bei uns und die Eltern haben sich ganz intensiv für unsere Einrichtung engagiert. 
  • Wirst du es vermissen, den Beschäftigten die Finger mit Spezialpaste sauber zu machen?
    Nö (schon wieder lachend…)
  • In all den Jahren hat sich viel verändert. Was ist heute anders als früher?
    Für mich nicht sehr viel. Wenn neue Beschäftigte kamen, haben die immer Neues mitgebracht. Neue Bedarfe und frischen Wind.
  • Was hat sich im Alltag verbessert für Menschen mit Handicap?
    Zum Glück haben Menschen mit Behinderung heute viel mehr Mitspracherecht. Dadurch gewinnen sie zu Recht mehr Einfluss.
  • Gab es auch schwierige Zeiten? Wie bist du damit umgegangen?
    Wir waren hier immer ein tolles Team. Da kann kommen, was will …. Da habe ich viel Glück gehabt.
  • Du hast mich und die anderen Beschäftigten immer ernst genommen. Warum war dir das wichtig?
    Ich nehme alle Menschen ernst. Das gehört zu meinem Beruf und zur Professionalität. Mir ist das auch persönlich ganz wichtig. Das hat was mit Haltung zu tun. 
  • Was wünschst du dir für die Zukunft?
    Dass ich gesund bleibe und noch was von meiner Rente habe.
  • Worauf bist du besonders stolz, wenn du zurückblickst?
    Dass es viele Menschen in unserer Gruppe gab, die froh waren, dass ich da war. Manche sind oder waren Freunde.
  • Was hast du selbst durch die Arbeit gelernt?
    Das Leben heute zu genießen! Denn es kann sehr schnell vorbei sein. Und dass eine Behinderung die Menschen nicht davon abhält, ein erfülltes Leben zu haben.
  • Was möchtest du jüngeren Kolleg*innen mit auf den Weg geben?
    Seid authentisch. Und resilient! Auch wenn es mal schwierig wird – einfach weiterarbeiten und durch.
  • Was bedeutet dir die Werkstatt heute?
    Es wird immer ein wichtiger Platz in meinem Leben bleiben. 
  • Worauf freust du dich jetzt im Ruhestand?
    Ich freue mich darauf, mehr Zeit für meine Hobbys zu haben. Malen, fotografieren, ins Theater oder zum Ballett gehen. Und morgen muss ich nicht mehr das Auto frei kratzen und muss nicht mehr im Dunkeln aufstehen. 

 

Foto: Güldane Baars machte für Roland Diderichs zum Abschied eine Duplo-Torte.