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Ein Urgestein geht in Rente

Nach 45 Dienstjahren, davon 16 Jahren im Evangelischen Krankenhaus Haspe, wurde Molly Ponattu in den Ruhestand verabschiedet.

Molly Ponattu feierte ihren Abschied im Kreise ihrer Kolleginnen und Kollegen.
Molly Ponattu im Kreise ihrer Kolleginnen und Kollegen
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Nach 45 Dienstjahren, davon 16 Jahren im Evangelischen Krankenhaus Haspe, wurde Molly Ponattu in den Ruhestand verabschiedet. Schwestern, Pfleger und Ärzte kamen im Schulungsraum des Hasper Krankenhauses zusammen, um Schwester Molly auch sehr persönliche Geschenke zu überreichen.

„Von der Putzfrau bis zum Chefarzt – dass alle gekommen sind und mich mit Wärme und Respekt verabschieden, macht mich sehr stolz“, zeigte sich die gebürtige Inderin gerührt.

1973 kam Moll Ponattu als Praktikantin nach Deutschland. Über ihre Schwester, die bereits als Ordensschwester in Deutschland tätig war, hörte sie vom Pflegenotstand hierzulande.  „Sprachkenntnisse waren damals nicht nötig“, erzählt Molly, „ich wurde gebraucht, Deutsch habe ich mir selbst beigebracht.“

Nach ihrer Krankenpflegeausbildung in Meschede und Station in Bocholt, begann sie ihre Arbeit in der Chirurgischen Abteilung im Hospital zum Heiligen Geist. 22 Jahre lang arbeitete sie hier und wurde zur Stationsleitung ernannt. Im Jahr 2002 übernahm das Evangelische Krankenhaus Hagen-Haspe, das seit 2006 zur Ev. Stiftung Volmarstein gehört, das Hospital zum Heiligen Geist.

Die erfahrene Krankenschwester überzeugte neben ihrer Fachkenntnis immer auch mit ihrer menschlichen Stärke. „Ich habe gelernt mit Menschen umzugehen“, erzählt sie, „damals war dies die wichtigste Grundlage für den Pflegeberuf.“ Dass sich dies im Laufe der Jahre gewandelt hat, macht sie traurig. „ Heute spürt man jedem Mitarbeiter im Krankenhaus den Stress an. Es wird viel erwartet, die Arbeit wird mehr, die Anzahl der Pflegenden aber geringer.“ Dies sei vor allem auch Schuld der Politik. „Früher haben wir uns dem Menschen zugewandt und kurz dokumentiert. Heute müssen die Kolleginnen und Kollegen so viel und umfassend dokumentieren, dass keine Zeit für den Menschen bleibt.“ Molly Ponattu versuchte dennoch, den Anforderungen auch menschlich gerecht zu werden.

Ihre unbegrenzte Energie hat die zweifache Mutter an ihre Söhne weitergegeben. Der eine ist studierter Projektmanager in Düsseldorf, der andere Stipendiat der London School of Economics und promovierter Politikwissenschaftler bei Bertelsmann. „Wir haben unseren Söhnen früh mitgegeben, was es heißt, aktiv und gesellschaftlich verantwortlich zu leben“, sagt sie. 

Verantwortung und gesellschaftliches Engagement bestimmt Mollys Leben. So bemüht sie sich als Vorsitzende der Deutsch-indischen Gesellschaft e.V. Hagen zusammen mit ihrem Mann um Interesse für ihr Heimatland. „Schwester“ Molly organisiert Bildungsreisen nach Indien, sammelt Spenden für die indische Frauenhilfe und schafft es, am von ihr organisierten indischen Abend in Hagen für mehr als 350 Gäste zu kochen. Nebenbei betreut sie eine demenzkranke Frau, die damals ihre Söhne betreute, als sie acht Wochen nach den Geburten bereits wieder in Vollzeit arbeitete. Für Molly selbstverständlich. „In Indien glauben wir an Karma“, sagt sie. Für ihr Engagement wurde Molly Ponattu 2016 mit dem Integrationspreis der Stadt Hagen ausgezeichnet.

Eine außergewöhnliche Frau, deren Einsatz im Krankenhaus sicher vermisst werden wird.



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der Evangelischen Stiftung Volmarstein

Quartal 2/2018

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