Das Herz aus dem Takt!

Portrait von Priv.-Doz. Dr. med. Kaffer Kara.
Das Herz aus dem Takt!
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Herzklopfen, Schwindel, Herzrasen oder sogar Bewusstlosigkeit – wenn das Herz aus dem Takt gerät, macht das Angst. Die Grenze zwischen einer normalen und krankhaften Herzrhythmusstörung ist fließend und gleichzeitig gefährlich. Dies frühzeitig zu erkennen und exakt einzuordnen ist wesentlich. 

Warum schlägt unser Herz überhaupt? Der Sinusknoten, ein kleiner Punkt aus vielen Nervenfasern, sendet direkt im Herz einen Nervenimpuls aus. Über ein Netz aus Nervenbahnen breitet sich dieser Impuls über das ganze Herz aus, der Herzmuskel zieht sich zusammen und das Blut fließt in den Körper. Funktioniert dieser Taktgeber nicht mehr richtig oder sind z.B. die Nervenleitungen gestört, kommt es zu Herzrhythmusstörung. Eine gute und frühzeitige Diagnosestellung ist wichtig. 

Das Ruhe-EKG gibt schon viel Auskunft. Hinzu kommt die Möglichkeit des Belastungs-EKGs, das die Funktion des Herzens anzeigt, wenn der Patient sich körperlich anstrengt. Manchmal kommen unregelmäßige Schläge des Herzens nur alle paar Stunden vor. Mit einem 24-Stunden-EKG können diese Störungen dann manchmal erkannt werden. Sind die Störungen seltener, kann ein sogenannter „Event-Recorder“ zum Einsatz kommen. Dazu wird ein kleines Stäbchen – etwas dicker als ein Streichholz – unter der Haut implantiert. Das ist ein Chip, der in ein paar Minuten eingesetzt ist. Der Mini-Computer kann nicht nur über drei Jahre den Herzschlag aufzeichnen. Der Arzt kann die Daten auch aus der Ferne abrufen und überprüfen. Außerdem hat der Patient eine Fernbedienung, mit der er ein Signal senden kann, falls er Herzrhythmusstörung spürt. Mit dieser recht einfachen Methode kann man über lange Zeit Störungen erfassen und so gezielt therapieren. 

Das Herz schlägt zu langsam 

Schlägt das Herz zu langsam, liegt eine Störung des Sinusknoten vor. Dass heißt, der Taktgeber reagiert nicht mit einer Erhöhung der Herzfrequenz, wenn wir uns anstrengen. Es kommt auch vor, dass er seine Funktion ganz einstellt. In dem Fall übernimmt der sogenannte AV-Knoten die Arbeit. Allerdings schlägt dieser nur wesentlich langsamer und er wird auch nicht schneller, wenn wir uns anstrengen. Ein Herzschrittmacher kann dann die Funktion des Taktgebers übernehmen. Auch dieser Mini-Computer, der etwa so groß und halb so dünn ist wie eine Streichholzschachtel, sendet elektrische Impulse aus, damit der Herzmuskel sich zusammenzieht. 

Gefährliche, schnelle Herzrhythmusstörung 

Schlägt das Herz zu schnell und fängt unter Umständen sogar an zu rasen, kann dies lebensbedrohlich sein. Denn dann wird zu wenig oder gar kein Blut mehr durch den Körper gepumpt. In dem Fall kann ein sogenannter ‚ICD‘ Leben retten. Das Gerät ist etwas größer als ein Herzschrittmacher und wird ebenso unter der Haut eingesetzt. Fängt das Herz an zu rasen, löst der ICD einen Elektroschock aus. Das Herz wird sozusagen ‚auf Null geschaltet‘ und springt dann hoffentlich wieder in einen gesunden normalen Rhythmus. 

Vorhofflimmern 

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist Vorhofflimmern. Daran leiden allein in Deutschland etwa eine Million Menschen. Durch das Flimmern ziehen sich die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen. So können sich Blutgerinnsel bilden, die vom Blutstrom fortgeschwemmt werden und Hirngefäße verschließen. Ein Schlaganfall ist die Folge. Da Vorhofflimmern bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden auftritt, merken viele Betroffene es nicht. Unbehandelt sind diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. Etwa 30. 000 Schlaganfälle entstehen jährlich durch Vorhofflimmern. 

Blutverdünnung ist hier das erste Mittel der Wahl. Dr. Kara erläuterte in seinem Vortrag die Vor- und Nachteile von Marcumar und den neustens Medikamenten zur Blutverdünnung. Marcumar ist seit 40 Jahren im Einsatz und ein gut wirksames Medikament. Allerdings ist es zum Teil schwer zu steuern. Medikamente der neueren Generation sind ohne die lästigen Blutwertkontrollen einzunehmen. Allerding gibt es bisher nur für eins der Mittel ein Gegenmittel. Dass heißt, wenn man sich schwerer verletzt, kann es zu gefährlichen Blutungen kommen. Außerdem sind die neuen Medikamente wesentlich teurer als Marcumar. Wichtig ist die gute Absprache zwischen Patient, Klinik und Hausarzt.

Mit einem Herzkatheter können viele Patienten mit Vorhofflimmern geheilt werden. Siehe dazu auch diesen Artikel.

Herzkrankheiten

Die meisten Herzrhythmusstörungen sind Folge einer Herzkrankheit wie Bluthochdruck, Klappenfehler oder koronare Herzkrankheit sowie anderer Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion. Deshalb ist die beste Strategie, die Faktoren auszuschalten, die die Herzrhythmusstörung begünstigen und gleichzeitig die verursachenden Grundkrankheiten zu behandeln. 

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