Fynn - immer mittendrin!

Achtjähriger besucht die Oberlinschule. Weil er nur einzelne Worte spricht, lernt er die Nutzung eines Sprachcomputers.

Fynn besucht die Oberlinschule der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Dort lernt der Achtjährige gemeinsam mit Kindern, die ähnlich wie er mit einer Behinderung leben. Aufgrund einer Spastik sitzt Fynn im Rollstuhl und spricht nur einzelne Worte. Wer ihn im Alltag an der Förderschule beobachtet, erlebt einen fröhlichen Jungen, der oft lacht. Um sich verständigen zu können, lernt er die Nutzung eines Sprachcomputers.

„Fynn macht gerne Quatsch…!“ Isabell Kulik schmunzelt bei diesem Satz. Sie muss es wissen: Denn sie ist seine Klassenlehrerin, gemeinsam mit ihrer Kollegin Anna Waschkau. Beide Pädagoginnen unterrichten den Jungen in Mathe und Sachkunde. Und sie erleben ihn zum Beispiel während der Frühstückspause, wenn er mit Unterstützung das Obst fürs Schulfrühstück schnibbelt.

Auch wenn er selbst kaum spricht: Fynn versteht alles, was andere sagen. Er selbst drückt viel über Gestik und Mimik aus. Um sich besser verständigen zu können, nutzt er seit kurzem einen sogenannten „Talker“. Das ist ein Computer, auf dem Worte oder Begriffe einprogrammiert werden. Das Gerät wird an seinem Rolli befestigt. Wenn Fynn die Tastatur bedient, spricht eine Computer-Stimme. Die nötigen Tastenkombinationen für bestimmte Worte oder Begriffe lernt er wie Vokabeln. Auf diese Weise kann er „Guten Morgen“ sagen, Namen von Mitschülern und Lehrern nennen oder Wünsche wie xxx äußern. Und wenn im Mathe-Unterricht das Ergebnis von „Fünf plus drei“ gesucht wird, bedient Fynn erst den Rechenschieber und meldet dann per Talker das richtige Ergebnis - „Acht!“

„Fynn ist gerne mittendrin“, beschreibt Klassenlehrerin Isabell Kulik den Jungen, „wenn irgendwo etwas los ist – Fynn ist dabei.“ Während der Pause steckt er mit anderen Kindern auf dem Schulhof die Köpfe zusammen. Begeistert macht er im Sportunterricht bei Fang- und Abwurfspielen mit. Dabei kurvt ihn eine Betreuerin in seinem Rolli durch die Halle. Aus dem Rollstuhl fallen kann Fynn nicht – zur Sicherheit ist er immer darin angegurtet. Wenn es in der Sportstunde turbulent zugeht, strahlt er übers ganze Gesicht. Dann rudert er auch schon mal vor Freude mit den Armen.

Fußball ist seine große Leidenschaft: Auf seinem Talker ist deshalb sogar Torjubel einprogrammiert. Regelmäßig schaut er seinen Schulkameraden zu, wenn sie in der Pause kicken. Er selbst ist Fan von Bayern München. Zur Fußball-EM 2016 in Frankreich hatte er sich die Namen aller teilnehmenden Nationalteams auf dem Talker abspeichern lassen.

Regelmäßiges Training daran ist für Fynn wichtig: Denn im Laufe der Zeit, so das Ziel, soll er sich mit Hilfe des Geräts in vollständigen Sätzen und in korrekter Grammatik ausdrücken. Der Talker ist eine Technik, die ihm Teilhabe verschafft. Sie trägt entscheidend dazu bei, dass aus dem fröhlichen Jungen später ein fröhlicher junger Mann wird.

Information: 

Der Talker ist ein Hilfsmittel aus dem Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK). Die Evangelische Stiftung Volmarstein betreibt ein UK-Büro mit den beiden Fachkräften Christina Panzer und Claudia Siebers. Sie beraten und schulen Menschen, die aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung gar nicht oder nur eingeschränkt sprechen, sowie deren Angehörige. Das Fachwissen des Volmarsteiner UK-Büros hilft Kindern wie Fynn, damit sie mit dem Talker später umfassend kommunizieren können.

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