„Mr. Wohnberatung“ geht in Ruhestand

. In Wetter ist er als eine Art „Mister Wohnberatung“ bekannt geworden. Tausende Ratsuchende hat er mit seiner Expertise unterstützt.

 In Wetter ist er bestens bekannt, vor allem als Gesicht der Evangelischen Stiftung Volmarstein: Jetzt geht Rainer Zott, langjähriger Wohnberater des stiftungseigenen Forschungsinstituts Technologie und Behinderung (FTB), in den Ruhestand.

Als eine Art „Mr. Wohnberatung“, der vor über zwei Jahrzehnten zu den Pionieren dieser Zunft gehörte, hat der 65-Jährige eine enorme Entwicklung miterlebt. „Unsere Beratungsthemen haben sich total verändert“, meint Rainer Zott rückblickend. Der barrierefreie Badezimmer-Umbau oder die passgenaue Treppenlifter-Installation – heute sind das Klassiker. Anders früher: Da stand sogar mal jemand mit einem Pflegebett vor ihm. Er bat darum, das Bett durch Schweißarbeiten zusätzlich zu stabilisieren.

Tausende Ratsuchende aus ganz NRW hat Rainer Zott mit seiner Expertise unterstützt. Er hat Menschen in deren Zuhause besucht und im FTB Besucher-Gruppen durch die Hilfsmittelausstellung und die barrierefreie Demonstrations-Wohnung geführt. „Dadurch hat er das FTB nach außen mitgeprägt“, betont der stellvertretende FTB-Leiter Wolfgang Schmitz. Zur Außendarstellung des FTB trug auch Rainer Zotts Mitarbeit in diversen örtliche Gremien bei. Dazu gehören der Runde Tisch, Hilfeanbieter-Kreis, Beirat für Menschen mit Behinderung und EN-Inklusionskonferenz.

Geboren wurde er im ehemaligen Krankenhaus an der Gartenstraße. In der Stiftung fing er 1995 im damaligen Beratungszentrum in der Kaiserstraße an. Später wurde diese Anlaufstelle durch das heutige Labor- und Testzentrum an der Grundschötteler Straße ersetzt. Medizintechnik, Agentur Barrierefrei NRW, Tests von Hilfsmitteln wie etwa Rollstühle – all das gehörte zeitweise oder dauerhaft zu den Aufgaben von Rainer Zott. Bekannt wurde er aber vor allem als Wohnberater. Wenn er samstags auf dem Wetteraner Wochenmarkt einkaufte, kam er oft nicht nur mit Obst und Gemüse, sondern auch mit zwei oder drei Anfragen für eine Wohnberatung zurück.

In dieser Funktion ging es für ihn oft darum, menschliches Leid zu lindern zu helfen – so z.B., wenn eine ältere Dame nach einem Schlaganfall pflegebedürftig geworden war und ihr Sohn die dringende Frage stellte: „Wie baue ich das Bad für meine Mutter um, damit sie zuhause wohnen bleiben kann?“

Rainer Zott besitzt die Gabe, solche ernsten Themen gelegentlich aufzuheitern. Als er einmal eine Besucher-Gruppe durch die Hilfsmittelausstellung führte, zeigte er u.a. eine speziell gearbeitete Nesteldecke. Wenn Demenzkranke diese Decke mit ihren Händen „bearbeiten“, sorgt das für Entspannung und Wohlbehagen. „Ich selbst nutze die Decke auch gelegentlich - …“, verriet er seinen verdutzten Zuhörern, eher er schelmisch die Pointe setzte: …. vor allem, wenn der BVB spielt!“ Sofort hatten alle Besucher ein Lächeln auf den Lippen.

Unzählige solcher Kontakte gehörten Rainer Zotts Arbeitsalltag. Doch ausgerechnet ihn, für den das persönliche Gespräch das „A“ und „O“ waren, hat die Corona-Krise zum stillen Abschied im FTB gezwungen. Aber: „Eine Feier holen wir nach“, stellt er klar.

Foto: Rainer Zott an seinem Arbeitsplatz: In der Hilfsmittelausstellung im FTB demonstrierte er regelmäßig Besuchern, wie z.B. ein Treppenlift optimal angebracht wird.

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